Hochzeitsfotos gefallen nicht. Was tun?

Die Hochzeit ist vorbei, die Trauung war sehr emotional, die Feier unvergesslich und die Bilder sind auch im Kasten. "Was kann da noch schief gehen?" - fragt ihr euch. Ihr seid voller Vorfreude, eure Bilder bald endlich in den Händen zu halten, sie den Verwandten, Freunden und Kollegen, die nicht dabei sein konnten, zu zeigen, schließlich habt ihr ja eine wunderschöne Hochzeit gehabt, die euch so viel Geld, Zeit und Eigeninitiative gekostet hat. All das haben ich und meine Ehefrau erst vor ein paar Jahren durchgemacht und ich weiß deswegen aus eigener Erfahrung, wie viel Aufwand eine schicke Hochzeit erfordert.

 

Hurra! Der Fotograf hat sich gemeldet und die Bilder sind auf einem USB-Stick per Post bereits zu euch unterwegs, morgen müsste das Paket endlich da sein. Ihr seid sehr gespannt und voller Vorfreude.  Das Päckchen ist da! Ihr macht eine Flasche Wein auf, steckt den USB-Stick in den Fernseher und macht es euch auf der Couch bequem. Die Show kann beginnen.

 

Doch dann passiert es. "Wie schaut denn das aus? Warum sind die Bilder so schlecht?" Die Braut bricht in Tränen aus, der Bräutigam ist wütend. Am besten würdet ihr jetzt sofort zum Fotografen hinfahren und ihn zur Rede stellen.

Doch schauen wir uns die Sache miteinander in Ruhe an und versuchen herauszufinden, was denn genau schief gelaufen ist.

Habt ihr das Portfolio des Fotografen genau angeschaut?

Habt ihr das? Haben euch die Bilder auch gefallen? Hoffentlich schon, wenn ihr den Fotografen danach gebucht habt.

Wie sehen eure Bilder im Vergleich aus? Schlechter? Was genau sieht schlechter aus? Die Farben? Rauschen die Bilder zu sehr? Hat der Fotograf wichtige Aufnahmen (zum Beispiel vom Ringtausch) nicht mitgeliefert?

Was genau ist anders als im gezeigten Portfolio? Eure Bilder müssen natürlich nicht exakt so aussehen wie im Portfolio des Fotografen. Jede Hochzeit ist anders, jede Location ist anders, jedes Brautpaar sieht anders aus. Natürlich werden Hochzeitsfotos einer Luxus-Hochzeit für 50 000 Euro anders aussehen als Bilder von einer 5000€ Hochzeit. Das muss euch bewusst sein. Teure, luxuriöse Locations, sehr teure Designer-Hochzeitskleider und Anzüge, außergewöhnliche und vom feinsten dekorierte Locations haben einen direkten Einfluss auf die Schönheit der Bilder. Das ist logisch.

Hat euch der Fotograf genau solche Bilder gezeigt? Oder waren es gar Bilder von einem Workshop, wo zwei professionelle und perfekt gestylte Models in einer gemieteten Location fotografiert wurden? Dann ist es natürlich bitter. Natürlich sollte euch der Fotograf darauf hinweisen, dass es keine echten Hochzeitsfotos einer echten Hochzeit, sondern Inszenierungen sind, welche möglicherweise sogar mit Hilfe eines Instruktors/Lehrers entstanden sind. Das ist aus meiner Sicht grob fahrlässig und ich würde den Fotografen auf jeden Fall darauf ansprechen.

Oder hat euch der Fotograf im Gespräch gar fremde Bilder gezeigt? Schwarze Schafe gibt es überall, auch unter Hochzeitsfotografen. Wenn es der Fall ist, dann ist es eindeutig ein Betrug und ihr müsst auf jeden Fall handeln.

Hochzeitsfotos rauschen zu sehr oder Farben gefallen nicht.

Gefallen euch die Farben nicht? Oder rauschen die Bilder zu sehr? Dann sprecht mit dem Fotografen. Solche Sachen könnte man mit Software (Können vorausgesetzt) nachträglich noch verändern bzw. optimieren. Manche Fotografen fügen das Rauschen zum Beispiel absichtlich hinzu, weil es ihnen so besser gefällt. Ebenfalls werden die Farben oft absichtlich zu sehr verfälscht. Da aber der Fotograf im Regelfall noch all die Daten von eurer Hochzeit auf der Festplatte haben müsste (ich zum Beispiel archiviere alle Bilder bis auf Weiteres), kann er die Dateien nachbearbeiten, sodass man dann doch noch zu einem zufriedenstellenden Ergebnis für beide Seiten kommt.

Fotograf liefert zu wenig Bilder.

Hat euch der Fotograf zu wenige Aufnahmen geliefert? Wie viele waren es denn? Bei mir sind es beispielsweise bei einer zwölfstündigen Buchung etwa 400 bis 600 bearbeitete Aufnahmen. Die Menge der Bilder kann aber variieren. Eine ereignisreiche Hochzeit mit viel Drumherum ergibt mehr Bilder, eine einfache Feier in einer einfachen Location und mit wenigen Gästen hat weniger Bilder zur Folge, das ist eigentlich logisch.

Doch wie viele Bilder müssen es mindestens sein? Wenn ihr das nicht schon bei der Buchung geklärt habt, nenne ich euch ein paar Zahlen, welche aus meiner Sicht realistisch sind. Bei 12 Stunden Buchungszeit müssen es in etwa 300-400 Aufnahmen sein, das ist die absolute Untergrenze. Handelt es sich dagegen um eine 6 Stunden Buchung, so wären auch 200-250 Bilder noch in Ordnung. Aber all diese Angaben basieren auf meiner Arbeitsweise, wie euer Fotograf arbeitet, weiß ich ja nicht. Sowas muss man auf jeden Fall schon vor der Buchung geklärt haben.

Fotograf liefert wichtige Aufnahmen nicht mit.

Sprecht mit ihm. Sagt ihm, welche Aufnahmen es genau waren. Vielleicht hat er sie nur einfach aussortiert, was zwar sehr unwahrscheinlich ist, aber dennoch so vorkommen kann. Oder vielleicht hat ihn in dieser Zeit einfach jemand gestört? Redet miteinander. Das Brautpaar ist an dem Hochzeitstag gedanklich und emotional ganz woanders und bekommt viele Sachen, die nebenher passieren, gar nicht erst mit.

Mir wurde zum Beispiel schon mal durch einen Standesbeamten verboten, während der Trauung zu fotografieren. Ohne Ausnahmen, erst wenn er mir das Zeichen gibt, dürfte ich fotografieren, das war aber erst nach dem "Ja-Wort", als die Gäste zum Gratulieren kamen.

Jaaaa, sowas gibt es auch. Das habe ich dem Brautpaar direkt nach der Trauung mitgeteilt, woraufhin sie sehr sauer geworden sind.

Hochzeitsfotos. Farben sind zu knallig bzw. zu bunt.

Eure Hochzeitsfotos erscheinen euch viel zu bunt? Die Farben sind einfach viel zu übersättigt. Wo könnte das Problem liegen? Es gibt heutzutage sehr viele Hersteller sowie viele verschiedene Displaytechnologien (TFT, OLED, LCD). Jeder Monitor zeigt das Bild auf seine eigene Weise, so wie er darauf programmiert ist. Manche Monitore sind gar nicht erst in der Lage, bestimmte Farben anzuzeigen, weil ihnen der Farbumfang fehlt. Das betrifft oft vor allem günstige Geräte.

Meinen Kunden rate ich immer zu Apple Produkten, wenn sie die Farben beurteilen möchten. Apple Produkte wie iPhone, iPad, Mac Book etc. sind meist ziemlich genau bei der Farbwiedergabe, für Otto-Normalverbraucher sind sie mehr als ausreichend.

Wir, Fotografen, arbeiten in der Regel mit sehr hochwertigen Monitoren, die sehr präzise eingestellt sind und die Farben und Kontraste in der Regel sehr genau anzeigen. Wenn wir eure Bilder bearbeiten, stellen wir die Farben und Kontraste passend ein. Seht ihr dagegen eure Bilder auf einem günstigen Monitor mit einem eingeschränkten Farbraum an, kann es durchaus sein, dass ihr die Farben anders seht als sie in Wirklichkeit sind. Dazu kommt noch, dass viele Bildbetrachter-Programme die Farben falsch interpretieren. Sie zeigen diese viel zu bunt an, die Kontraste sind ebenfalls zu stark oder zu schwach.

Es macht also durchaus Sinn, die Bilder an mehreren verschiedenen Geräten zu betrachten, bevor man weiter handelt.

Zu viele Bilder in schwarz-weiß.

Hat euch der Fotograf zu viele Bilder in schwarz-weiß geliefert?

Ihr hättet gerne bestimmte Bilder zusätzlich in Farbe? Dann sprecht den Fotografen darauf an. Wir versuchen zwar immer aus den Bildern das Beste rauszuholen und wandeln bestimmte Bilder absichtlich in schwarz-weiß um, weil sie so deutlich mehr Ausdruckskraft bekommen. Aber manchmal werden die Bilder einfach nur zur Abwechslung in schwarz-weiß umgewandelt. Der Fotograf kann euch die gewünschten Bilder meist ohne Probleme zusätzlich auch in Farbe liefern, wenn ihr das so möchtet. Sprecht einfach miteinander.

Hochzeitsfotos zu wenig oder zu sehr retuschiert.

Eure Bilder erscheinen euch zu sehr retuschiert? Das kann der Fotograf ohne Probleme korrigieren. Sprecht ihn einfach darauf an.

Sind die Bilder dagegen zu wenig retuschiert, kann es durchaus sein, dass der Fotograf für die Retusche eine zusätzliche Gebühr verlangt. Retusche kostet oft am meisten Zeit, deswegen versucht man hier Zeit einzusparen. Ihr profitiert natürlich auch davon, der Fotograf wird dadurch günstiger, weil er nicht so viel Zeit in den Auftrag investieren muss.

Hochzeitsfotos gefallen überhaupt nicht. Das Worst-Case-Szenario.

Wenn der oben beschriebene Fall eintritt, dann haben wir einen absoluten Notstand, den sprichwörtlichen "Super-GAU".

Wenn euch an den Bildern gar nix gefällt, nicht die Posen, nicht der Stil und auch nicht die Bearbeitung der Bilder, seid ihr dann wirklich sicher, dass ihr den Fotografen gut "gecheckt" hattet?

Auch in so einem Fall gilt: sprecht miteinander. Macht miteinander eine Analyse: was genau ist schief gelaufen? Auch in so einem Extremfall kann man noch etwas machen. Entweder bearbeitet der Fotograf die Bilder neu nach euren Wünschen, dass es doch noch halbwegs zufriedenstellend aussieht. Oder vielleicht vereinbart ihr mit ihm ein kostenloses After-Wedding-Fotoshooting? Ihr fahrt bei gutem Wetter zu den schönsten Locations in der Gegend und macht miteinander tolle Aufnahmen. Oder vielleicht kommt euch der Fotograf preislich etwas entgegen?

 

Beachtet jedoch, dass es aus rechtlicher Sicht keinen Anspruch auf Gefallen bei den Hochzeitsbildern gibt. Wenn der Fotograf handwerklich alles richtig gemacht hat, hat er rechtlich gesehen seinen Auftrag korrekt erledigt.

Das Wichtigste ist wie immer die Kommunikation. Bleibt stets freundlich, drückt euch klar aus, diskutiert miteinander, bleibt nett. Es bringt euch nix, sich mit dem Fotografen zu streiten und ihn vielleicht zu beleidigen. Im schlimmsten Fall bleibt er stur und will von euch gar nix mehr hören. "Der Ton macht die Musik" besagt ein altes Sprichwort.

 

Meistens kommt man auch in so einem Fall zu einer Lösung, da bin ich mir sicher (auch wenn ich mit sowas zum Glück noch keine Erfahrung machen musste).

Habe ich etwas vergessen? Oder hast du weitere Fragen oder möchtest von deiner Erfahrung berichten? Dann schreibe doch unten deinen Kommentar!

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