Sony FE 24-105mm f/4 G OSS. Review & Test.

Sony FE 24-105mm f/4 OSS Review Test 2018

Als Sony das neue FE 24-105mm f/4 Objektiv angekündigt hat, haben sich viele Fotografen gefreut, dass es nun endlch auch für das FE Bajonett ein flexibles vierfach Zoomobjektiv geben wird. Das Objektiv kam erst vor Kurzem auf den Markt. Ich war wohl unter den ersten, die sich das Objektiv vorbestellt hatten. Auf Amazon habe ich das Objektiv zu einem Vorbestellerpreis in Höhe von 1225€ bekommen, was immerhin 124€ unter Einführungspreis lag. Nach knapp 6 Wochen Wartezeit wurde das Objektiv geliefert und befindet sich nun seit ca. 10 Tagen in meinem Besitz.

Immer wenn ich mir ein neues Objektiv kaufe, unternehme ich einen oder mehrere Fotoausflüge und teste das Objektiv unter realen Bedingungen. Denn das ist immer die beste Überprüfung, egal ob für Kamera oder Objektiv. Genau so habe ich es auch mit dem neuen Sony 24-105mm f/4 gemacht und möchte ein paar Eindrücke mit euch teilen.

Für welche Zwecke kaufte ich mir das Sony FE 24-105mm f/4 G OSS Objektiv?

Das Sony 24-105mm f/4 kaufte ich nicht für die Hochzeits- oder Portraitfotografie. Ob ich das Objektiv zukünftig dennoch für diese Zwecke einsetzen werde, kann ich noch nicht sagen. Das Objektiv ist für Fotoausflüge gedacht, also für dort, wo ich nur ein einziges Objektiv mitnehmen möchte. Das sind in der Regel Ausflüge in die Stadt oder in die Natur, jedoch nicht für Strandurlaub. Die Strandurlaube sind bei mir zum Entspannen, Baden, Faulenzen, aber nicht zum Fotografieren da. Im Urlaub bin ich zu faul zu fotografieren und nehme meine Kameras so gut wie nie mit.

Ein 24-105mm Objektiv würde ich dagegen zum Beispiel in die Berge mitnehmen. Auf meinem letzten Ausflug in die Berge nahm ich zum Beispiel meine Nikon D750 mit zwei Objektiven mit: das Nikon 24-70mm f/2.8 VR und das Sigma 14mm f/1.8 Art.

Vorteile von 24-105mm gegenüber 24-70mm.

Die Vorteile des Sony FE 24-105mm gegenüber 24-70mm f/2.8 G Master sind natürlich in erster Linie der Preis. Das 24-105mm Objektiv kostet gegenüber seinem großen Bruder etwa 800 bis 900 Euro weniger (Stand Februar 2018).

Dazu ist es deutlich kompakter und leichter, was zum Beispiel beim Wandern in den Bergen durchaus eine Rolle spielt. Zusätzlich bietet es einen größeren Zoombereich und ein 77mm Filtergewinde (alle meine Grau- und Polfilter haben einen Durchmesser von 77mm). Man kann zwar die 77mm Filter per Adapterring auch an 82mm Filtergewinde nutzen, doch es führt zu eine stärkeren Vignettierung in den Ecken des Bildbereichs in Telestellung. So ist es zumindest bei dem Nikon 24-70mm f/2.8 VR (82mm Filtergewinde), wenn man daran 77mm Filter nutzt.

Braucht man unbedingt Blende f/2.8 oder reicht auch f/4?

Diese Frage kann man nicht allgemein und für alle gültig beantworten. Wenn ich mir ein Zoomobjektiv für Reportage suchen würde, käme wohl nur ein 24-70mm f/2.8 Objektiv in Frage. Die Freistellung gelingt mit diesem Objektiv noch etwas besser, außerdem kann man in dunkleren Umgebungen mit einer ISO Stufe niedriger fotografieren.

Doch für Landschaft, Urlaub, Reisen, Städteausflüge und desgleichen eignet sich ein vierfach Zoomobjektiv wie das Sony 24-105mm f/4 durchaus besser. Die 35mm mehr in Telestellung sind bei zum Beispiel Landschaftsfotografie viel wichtiger als eine Blende mehr Licht. Wer fotografiert schon Landschaft oder auch Architektur mit offener Blende von f/2.8? Man blendet in der Regel eh auf mindestens f/8 ab, damit man ein durchgehend scharfes Bild bekommt. Oder wenn man zum Beispiel aus der Sonne einen schönen Blendenstern zaubern will, blendet man gar auf f/16 bis f/22 ab.

Sony FE 24-105mm f/4 G OSS. Ersteindruck.

Das Objektiv ist sehr gut verarbeitet. Die Mechanik lässt sich sauber ein- und ausfahren. Der Fokusring läst sich mit einem etwas zu geringen Widerstand drehen, was das manuelle Scharfstellen erschwert. Das ist aber ein Problem vieler Sony und Zeiss Objektive.

Ein wenig störend fällt mir die Verbindungsstelle (des Gusswerkzeugs?) neben der Typenbezeichnung des Objektivs auf. Es ist eine unschöne lange Linie, die wie ein Spalt aussieht und den ansonsten hochwertigen optischen Gesamteindruck des Objektivs etwas kaputt macht. Schade, dass es Sony nicht anders lösen konnte.

Schärfe, CA, Verzeichnung.

Die Schärfe des neuen Sony FE 24-105mm f/4 Objektivs ist auf einem absoluten Top Niveau der Zoomobjektive. Natürlich darf man hier das Objektiv nicht mit den Festbrennweiten vergleichen, welche auf eine bestimmte Brennweite optimiert sind. Ein Zoomobjektiv bleibt ein Zoomobjektiv. Es ist ein Objektiv für faule Menschen wie mich, die unter bestimmten Bedingungen kein Objektiv wechseln wollen oder können, aber dennoch eine akzeptable Bildqualität genießen möchten.

Ich habe inzwischen um die 600 Bilder mit diesem Objektiv gemacht und bin mit der Schärfe sehr zufrieden. Selbst in den äußersten Ecken kann ich noch problemlos feine Details erkennen oder kleine Straßenschilder lesen. Es ist egal, ob ich dabei in Weitwinkel- oder Telestellung fotografiere - das Objektiv bietet mir jederzeit eine mehr als nur akzeptable Bildqualität.
Die chromatischen Aberrationen sind im unkorrigierten Zustand zu sehen und verschwinden nach einer Korrektur in Lightroom spurlos. Die Verzeichnung fällt bei bestimmten Motiven auch schnell ins Auge, aber auch diese verschwindet nach nur einem Klick in Lightroom komplett.
Ich möchte euch an der Stelle Bilder zeigen, die ich mit diesem Objektiv gemacht habe, damit ihr die optische Leistung des Objektivs begutachten könnt.
Die Bilder haben eine volle Auflösung von 24 Megapixel. Klickt einfach auf das Bild, vergrößert es per Klick nochmal auf 100% und fahrt die für euch interessanten Bereiche einfach ab. Alle Bilder sind in Adobe Camera RAW dezent geschärft (96, 0,6, 30, 70) und mit Qualität 11 mit Adobe Photoshop CC 2017 in JPEG konvertiert worden. Ansonsten habe ich versucht, die Bilder nicht zu sehr zu bearbeiten, es wurden lediglich die Belichtung, Tiefen/Lichter leicht korrigiert sowie die Verzeichnung/CA's per Objektivprofil von Adobe entfernt.
Da alle Bilder in voller Auflösung sind, kann das Laden etwas Zeit in Anspruch nehmen (ist von eurer Internetleitung abhängig).

1)  25mm, f/5,6, 1/60s, ISO320

Sony FE 24-105mm f/4 OSS Review Test

2)  105mm, f/8, 1/60s, ISO400

Sony FE 24-105mm f/4 OSS Review Test 2

3)  88mm, f/8, 1/60s, ISO200

Sony FE 24-105mm f/4 OSS Review Test 3

4)  46mm, f/4, 1/60s, ISO800

Sony FE 24-105mm f/4 OSS Review Test 4

5)  105mm, f/4, 1/60s, ISO250

Sony FE 24-105mm f/4 OSS Review Test 5

6)  24mm, f/8, 1/60s, ISO125

Sony FE 24-105mm f/4 OSS Review Test 6

Ihr merkt schon anhand der Verschlusszeiten, dass ich versucht habe nicht länger als 1/60s zu belichten. Das hat einen guten Grund, näheres unter Punkt "Bildstabilisator".

Sony FE 24-105mm. Bokeh.

Bokeh und Blende f/4? Das sieht dementsprechend etwas langweilig aus. Ein Test bei Blende f/4 und 105mm Brennweite bestätigt es.

Sony-FE-24-105mm-review-bokeh

Klar, die Freistellung und Bokeh sind trotzdem noch besser als bei einem Smartphone oder einer Kompaktkamera. Aber ich denke, es weiß jeder, dass es auch besser geht (mit lichtstarken Festbrennweiten).

Sony FE 24-105mm f/4 G OSS. Autofokus.

Der Autofokus des Objektivs ist schnell und sicher. Es ist in etwa so schnell wie der Autofokus des Sony Zeiss 16-35mm f/4 Objektivs. Bei nächtlichen Bedingungen zählt jedoch jede Blende. Die Blende f/4 führt dazu, dass das Objektiv bei schlechtem Licht nur wenig Licht auf den Sensor transportiert, was zum Ruckeln und Rauschen des Sucher- oder Displaybildes führt. Den Unterschied merkt man wirklich enorm, sobald man auf eine f/1.8 oder gar f/1.4 Objektiv wechselt. Auch wird der Autofokus mit lichtstärkeren Objektiven natürlich deutlich schneller und besser. Das gilt aber natürlich nur für Umgebungen mit schlechter Beleuchtung, bei gutem Licht ist dagegen alles perfekt.

Bildstabilisator (OSS).

Auf meinen Ausflügen mit dem Objektiv ist mir immer wieder ein Phänomen aufgefallen. Immer wieder sind Bilder mit Belichtungszeiten oberhalb von 1/60s unscharf gewesen. Von meiner Sony A9 bin ich es gewohnt, selbst mit 85mm und 1/20s noch scharfe Bilder machen zu können. Doch verhält sich hier das neue 24-105mm Objektiv ein wenig anders. Im Regelfall komponiere ich mir mein Motiv im Sucher, fokussiere, versuche mich still zu halten und löse dann aus. Doch mir gelang es nicht mit 1/30s und bspw. 50, 80 oder 105 Millimeter durchgehend scharfe Aufnahmen mit dem Sony 24-105mm zu erzeugen. Selbst das Verkürzen der Verschlusszeit auf 1/60s war kein Garant für scharfe Bilder, immer wieder war ein verwackeltes Bild dazwischen. Aber es ist gegenüber 1/30s besser geworden.

Andererseits habe ich dann anhand eines anderen Motivs (Portrait) auch mit 1/30s einwandfrei arbeiten können. Oder lag es daran, dass es bei den Stadtbildern draußen kalt war? Seltsam.

 

Ich fand es ein wenig schade, da der Stabilisator des Objektivs anscheinend nicht so ganz zuverlässig ist, wie ich es gewohnt bin. Ich hatte gehofft, dass ich wenigstens mit 1/30s bei 105mm noch mit 100% scharfen Bildern rechnen kann. Wirklich schade.
Mit meinem Nikon 24-70mm f/2.8 VR kann ich selbst bei 70mm und 1/20s noch absolut scharfe Bilder auf Pixelebene erzeugen, und das trotz des mächtigen Spiegelschlags der Nikon D750. Mit der A9 und ihrem vibrationsfreiem elektronischen Verschluss müsste theoretisch noch mehr drin sein, da kein Shutter-Shock.
Wenn ihr diesbezüglich irgendwelche Tipps für mich habt, so lasst unten einfach einen Kommentar dazu (die Kommentare werden von mir nach einer Spam-Überprüfung umgehend freigeschaltet).

Mein Fazit.

Mit dem neuen Sony FE 24-105mm f/4 OSS hat Sony ein sehr gutes Objektiv herausgebracht. Der Zoombereich ist für die meisten Fotografieaufgaben genau richtig. Die optische Leistung ist für ein Zoomobjektiv auf einem sehr guten Niveau und auch sonst stimmt alles. Selbst der UVP von 1349€ ist aus meiner Sicht vollkommen in Ordnung, außerdem wird dieser mit der Zeit sicherlich noch etwas fallen.

Für Leute, die einen guten Allrounder suchen oder einfach keine Zeit oder Lust auf das Wechseln der Objektive haben, ist das Sony FE 24-105mm f/4 genau richtig. Es ist noch nicht zu groß, nicht zu schwer, nicht zu zeuer, dafür aber optisch ganz gut. Wer eine noch besser Bildqualität braucht, greift am besten zu den Festbrennweiten.

Eine abschließende Bitte von mir.

Du siehst auf meiner Webseite keine lästigen Werbeanzeigen und ich will dir nix verkaufen oder andrehen. Ich will nicht mal deine Email Adresse wissen, um dir später Werbenachrichten zu schicken. Dass du diesen Artikel gerade gelesen hast und hoffentlich informativ fandest, war also für dich völlig kostenlos.

So ein Test bedeutet aber einiges an Aufwand und nimmt nicht wenig Zeit in Anspruch. Wenn dir also dieser Artikel in irgendeiner Weise geholfen hat, dann würde ich mich freuen, wenn du meine Bemühungen etwas unterstützt. Dafür musst du eigentlich nix ungewöhnliches tun. Du klickst einfach auf den Amazon oder ebay Link unterhalb (oder speicherst diesen für spätere Einkäufe) und kaufst dort entweder das hier getestete Objektiv oder einfach irgendwas, was du halt so immer auf Amazon bzw. ebay kaufst. Das kann alles mögliche von einem Film bis zur Waschmaschine sein. Damit unterstützt du meine Bemühungen mit ein paar Cent oder Euro. Dich kostet's nix und mir schwindet nicht so schnell die Lust auf weitere Vergleiche ;)

Vielen Dank dafür im Voraus!

 

Oder kauft etwas auf ebay:

ebay Deutschland

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Kommentare: 2
  • #1

    Gerhard Schüppstuhl (Dienstag, 27 Februar 2018 20:32)

    Prüf bitte einmal ob der Autofocus treffsicher genug ist,
    Ich habe ein 4/24-70 von Zeiss. bei diesem muss ich von Hand mit Vergrößerungseinstellung nachschärfen. Dies funktioniert sehr gut an meiner A7 ii.
    Gruß
    Old Gerd

  • #2

    ViBo Photography (Mittwoch, 28 Februar 2018 07:11)

    Hallo Gerd,

    mir ist nichts derartiges aufgefallen. Der Autofokus meines Sony 24-105mm f/4 funktioniert zuverlässig und genau.

    Grüße