Test & Review Sigma 135mm f/1.8 Art für Sony E-Mount.

Sigma hat es getan und hat mittlerweile viele Art Objektive auch Sony E-Mount kompatibel gemacht. So auch das Sigma 135mm Art.

Das Objektiv hatte ich früher an meinen Nikon Kameras. Damals hat es mich in seiner Bildwirkung begeistert. Die Abbildungsleistung ist perfekt scharf schon bei Offenblende. Das Bokeh war und ist auch heute noch etwas Besonderes, weil es den Hintergrund in geeigneter Umgebung ganz schön weichzeichnet. Ein 85mm f/1.4 Objektiv kommt an eine 135mm f/1.8 Brennweite nicht ganz ran, auch wenn der Unterschied nicht so enorm groß ist.

Lange hat man als Sony Nutzer auf dieses Ereignis gewartet. Sigma hat uns ermöglicht, Art Objektive ohne Adapter an unseren Sony Kameras zu nutzen. Die Objektive sind dabei noch etwas länger als DSLR Versionen geworden, wohl um das Auflagemaß auszugleichen. Ansonsten ist alles gleich geblieben. Wer Sigma Art Objektive an DSLR kennt, wird sich wie zu Hause fühlen.

Sony baut tolle Objektive. Ich liebe zum Beispiel mein 85mm f/1.4 G Master, weil es noch nicht so schwer und groß ist und eine sehr ordentliche Abbildungsleistung inklusive einem schönen Bokeh bietet. Doch eine 85mm Brennweite komprimiert bzw. isoliert den Hintergrund oft nicht gut genug, um beim Betrachter ein "Wow" auszulösen. Und genau da kommt eine 135mm f/1.8 Festbrennweite zum Einsatz.

Sigma 135mm Art E-Mount. Abbildungsleistung.

Schon damals, noch an DSLR, war ich vom Sigma 135mm Art total überzeugt. Ich habe bis dahin noch nie etwas schärferes und perfekteres in der Abbildungsleistung gesehen. Die chromatischen Abberationen kaum vorhanden, weiches, fast schon magisches Bokeh, enorme Schärfe. Ich habe bis dahin und auch danach mit vielen Objektiven fotografiert, doch nach dem Sigma 135mm Art ist man wirklich sehr verwöhnt und schon das eine oder andere Objektiv mit schiefem Blick an. Kurz zusammengefasst - das Sigma 135mm Art ist aus meiner Sicht einfach perfekt.

Ich habe es damals schon mit dem Nikon 105mm f/1.4 E, welches ich damals besaß, verglichen und habe lange überlegt, welches Objektiv von beiden ich gerne behalten und welches ich verkaufen soll. Beide wollte ich nicht behalten, weil der Unterschied zwischen 105 und 135 Millimeter eher gering und der Platz in der Fototasche leider nicht unendlich ist.

Hier habe ich damals ein paar Worte zum Sigma 135mm Art geschrieben >>> Sigma 135mm Art Test und Vergleich <<<

Auch am Sony E-Mount ist beim Sigma Objektiv alles gleich geblieben. Die Abbildungsleistung ist enorm hoch und das Objektiv ist nach wie vor groß und schwer. Sony lässt sich leider zu viel Zeit mit dem Bau seines 135mm G Masters, das wäre zum Beispiel ein sehr interessanter Konkurrent zu dem 135mm Art, welcher hoffentlich kompakter und leichter wird.

Autofokus.

Der Autofokus des Sigma 135mm Art für E-Mount habe ich sowohl an meiner Sony A9 als auch an der A7RIII getestet. Als Vergleich diente wieder das 85mm GM, welches zwar nicht wirklich das schnellste Pferd im Stall ist, aber es ist ausreichend schnell für die meisten Bilder inkl. sich bewegender Personen. Mit dem G Master habe ich bereits sehr viele Portraits gemacht, das Objektiv funktioniert ausgezeichnet.

Das Sigma 135mm Art fokussiert ebenfalls sehr präzise. Bei der Zuverlässigkeit und Schnelligkeit sehe ich aber das 85mm GM dennoch minimal vorne. Dieses fokussiert in manchen Situationen wie zum Beispiel im Nahbereich oder bei schlechtem Licht aus meiner Sicht etwas schneller und zuverlässiger. Das Sigma verhält sich manchmal unsicher, ruckelt ein wenig, bis es den Fokus findet. Das tut es nicht immer, nur manchmal. Aber beim Sony ist es mir bis jetzt so nie aufgefallen. Dennoch habe ich auch mit dem Sigma viele tolle Bilder gemacht. Die 135mm f/1.8 am Kleinbildsensor rocken!

Der Autofokustest hat Sigma bestanden. Egal ob die Menschen stehen oder sich auf mich zu bewegen, der Autofokus sitzt und führt die Schärfe präzise nach. Lediglich im Nahbereich, wo der Autofokus deutlich längere Wege verfahren muss, schwächelt Sigma 135mm Art ein wenig, aber nur wenn das Motiv sich bewegt. Ansonsten ist die Präzision des Sigma sehr beeindruckend.

In meinem Test lies ich das Model mit normalem Schritttempo auf mich zulaufen und hab versucht es zu verfolgen. In etwa 90% der Bilder waren dabei perfekt auf dem Gesicht fokussiert (Kamera Sony A7RIII, AF Einstellung AF-C und Flexible Spot "M"):

Sigma-135mm-art-sony-e-mount-af-test

Sigma 135mm Art vs. Sony 85mm G Master.

Was sich auf jeden Fall deutlich unterscheidet, sind Abmaße und Gewicht der beiden Objektive. Wie auf dem Bild zu sehen ist, ist der Unterschied bei den Abmaßen sehr groß. Das G Master wirkt an einem kleinen Body wie zum Beispiel Sony A7III, A7RIII oder A9 gerade noch so kompakt und schwer, dass man damit relativ angenehm arbeiten kann. Für Sigma 135mm Art gilt es nicht mehr. Das Objektiv ist massiv und zieht mit seinem Gewicht alles nach vorne, es kippt und man muss gut dagegen halten oder mit der linken Hand das Objektiv unten abstützen. Es ist schwer und man spürt es deutlich.

Bei der Abbildungsleistung sehe ich das Sigma 135mm Art in etwa auf der gleichen Höhe mit dem 85mm G Master, welches bei offener Blende bekanntlich noch nicht ganz perfekt scharf ist. Das Sigma fängt aber bei Blende f/1.8 an und sobald man das 85mm G Master ebenfalls auf Blende f/1.8 abblendet, legt die Schärfe auch sichtbar zu.

Das Bokeh ist bei beiden Objektiven sehr vergleichbar. Das Sigma bildet aufgrund seiner längeren Brennweite logischerweise anders ab und komprimiert den Hintergrund noch stärker als  G Master mit seinen 85mm. Beide Objektive haben ein sehr schönes Bokeh, allerdings sorgt Sigmas längere Brennweite aus meiner Sicht für etwas mehr WOW in den Bildern, weil es das Motiv noch besser vom Hintergrund trennt.

Tut mir leid, dass ich das Bild nicht so exakt reproduzieren konnte:

Ich habe diesen Test bzw. Vergleich absichtlich kurz gehalten. Es ist mir egal, ob das eine Objektiv 1,26% schärfer abbildet als das andere oder nicht. Darauf kommt es bei mir nicht an, zumindest dann nicht, wenn man sich bereits auf dem obersten optischen Niveau befindet. Außerdem handelt es sich bei diesem Vergleich um keine wirkliche Gegenüberstellung der beiden Objektive. Die beiden genannten Objektive sind einfach zu unterschiedlich in der Bildwirkung. Das Sony 85mm G Master habe ich lediglich zum Vergleich hinzugezogen, um zu zeigen, wie sich die Bildwirkung durch längere Brennweite des Sigma 135mm Art verändert.

Einen Ausschnitt aus den Bildern oben zeige ich euch aber:

Sigma-135mm-art-vs-Sony-85mm-GM

Wie man sehen kann, ist das Sigma 135mm Art bei f/1.8 leicht, aber wirklich nur leicht schärfer als Sony 85mm G Master bei f/1.4. Der Unterschied ist aber zu vernachlässigen und sobald man Sony auf f/1.8 abblendet, sieht man keinen Unterschied mehr. Für mich ist dieser kleine Unterschied sowieso irrelevant.

Sigma 135mm Art & 3D-Pop.

Das sogenannte "3D-Pop" entsteht, wenn der Vordegrund (Motiv) besonders stark und sanft vom Hintergrund getrennt wird. Bei Zeiss Objektiven soll dieser 3D-Pop besonders oft und intensiv vorhanden sein, Sigma und auch andere Objektive sollen darin angeblich besonders schlecht sein. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ich auch etliche Zeiss Objektive besessen habe, doch etwas besonderes sah ich im Bokeh nicht. Auch andere Mütter haben hübsche Töchter.

Doch wie sieht es beim Sigma 135mm Art am E-Mount aus? Hierzu habe ich vier Bilder angefertigt, zwei mit dem Sigma und zwei mit dem 85mm GM. Inwiefern sorgt Sigmas längere Brennweite für die Verstärkung dieses 3D-Pops? Seht selbst:

Wie oben bereits erwähnt, isoliert Sigma aufgrund seiner längeren Brennweite den Hintergrund noch intensiver und sorgt so für eine ruhigere Bildanmutung, weil es eben weniger vom Hintergrund zeigt. Das kann von Vorteil sein, muss aber nicht. Wenn man zum Beispiel keinen Platz nach hinten hat (ich hatte in meinem Fall ca. 200m  Platz hinter mir :D ) und mehr von der Umgebung zeigen möchte, ist man mit einer kürzeren Brennweite besser bedient. Ich musste zum Beispiel in dem Fall da oben etwa 6 Schritte zurück gehen, um in etwa den gleichen Bildausschnitt wie beim 85mm GM hinzubekommen. Möchte man dagegen den Blick des Betrachters auf das Hauptmotiv lenken, sind Objektive mit längerer Brennweite dazu besser geeignet.

Nun zum 3D-Pop. Dieser ist beim Sigma aus meiner Sicht etwas ausgeprägter als beim 85mm GM (siehe Bilder oberhalb). Oder was meint ihr? Sigma ist aber wirklich top:

Sigma 135mm f/1.8 E-Mount
Sigma 135mm f/1.8 E-Mount

Und was passiert, wenn man das Bild des Sony 85mm GM auf etwa den gleichen Bildausschnitt per Software zuschneidet? Es ergibt sich ein in etwa 6000x4000 großes Bild, welches nach wie vor mehr als genug Auflösung hat. So sieht es dann aus:

Sigma 135mm f/1.8 Art vs. Sony 85mm f/1.4 GM
Sigma 135mm f/1.8 Art vs. Sony 85mm f/1.4 GM

Und schon schwindet der Unterschied. Natürlich wird der Hintergrund bei 135mm trotzdem noch näher abgebildet, ist ja auch eine längere Brennweite. Doch so viel Unterschied ist da nicht mehr. Es kann also durchaus von Vorteil sein, sich für eine kürzere Brennweite zu entscheiden und bei Bedarf einfach zu croppen.

Ich habe übrigens die bearbeiteten Aufnahmen dem Model auf den Bildern gezeigt und habe sie entscheiden lassen, welche Bilder ihr besser gefallen. Sie hat aus jeweils 5 Aufnahmen pro Objektiv immer die Bilder des 85mm GM favorisiert. Als ich sie fragte, warum genau ihr die Bilder des GM besser gefallen, hat sie die "viel zu übertriebene, wie künstliche Unschärfe" des Sigma bemängelt. Für sie ist es "too much".

Das zeigt mir nochmals, dass die Geschmäcker der Fotografen nicht unbedingt mit denen des Kunden/Models übereinstimmen müssen.

Sigma 135mm Art E-Mount. Fazit.

Ich war schon früher von dem Sigma 135mm Art an Nikon sehr begeistert und habe es sehr gerne für Portraits benutzt. An Sony macht es sogar noch etwas mehr Spaß, weil es an aktuellen Sony DSLM's mit IBIS noch zusätzlich stabilisiert wird und auch noch den Eye-AF bietet. Ich konnte mit Sonys A7RIII Eye-AF ohne Probleme mit Blende f/1.8 und 1/50s knackscharfe Bilder am Auge machen. Sowas war früher an DSLR nicht möglich, man musste auf mindestens 1/250s gehen, sonst hat man verwackelt.

Sigma hat mit der E-Mount Version nix anderes gemacht, wie uns die Möglichkeit gegeben, die tollen Art Objektive ohne Adapter am Sony E-Mount nutzen zu können. Das Objektiv ist einfach wahnsinnig toll geworden. Was man jedoch im Auge behalten muss, ist das Gewicht und die Größe. Nicht jeder möchte ein so großes und schweres Objektiv an seiner Kamera rumtragen. Wer das allerdings tut, wird mit einer erstklassigen Bildqualität belohnt.

Über den Preis kann man lange diskutieren. Aus meiner Sicht ist das Objektiv seinen Preis absolut wert. Sigma 35mm f/1.4 Art und 50mm f/1.4 Art beide für E-Mount gibt es zum Beispiel momentan mit 42€ bzw. 50€ Sofortrabatt (Stand 12.11.2018), vielleicht wird es auch für 135mm f/1.8 Art bald eine ähnliche Aktion geben.

Eine Bitte von mir.

So ein Test bedeutet einiges an Aufwand und nimmt nicht wenig Zeit in Anspruch.

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Nachfolgend könnt ihr ein paar Aufnahmen mit dem Sigma 135mm Art an meiner Lieblingskamera Sony A9 sehen.

PS: ich habe auf meinem Test-Ausflug so viele schöne Street-Aufnahmen u.a. auch schöne Portraits von Passanten gemacht. Doch spätestens seit dem die neue DSGVO gilt, darf man nix mehr herzeigen, auch dann nicht, wenn man das Gesicht unkenntlich gemacht hat. Deswegen kann ich euch keine unkenntlich gemachte Portraits zeigen.

Bei dem Bild habe ich aber die Genehmigung, keine Sorge ;)

Sigma-135mm-art-sony-test

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